Sehstörungen sind immer auch Leistungsstörungen

Leistungsstörungen im visuellen System  können ihre Ursache in einer Funktionsstörung haben, die bei gesunden Augen (trotz    100 % Sehschärfe oder trotz optimaler Brillenkorrektur), aufgrund eines gestörten Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten. Optomotorische Probleme lassen sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht medizinisch belegen.

Am Bildschirmarbeitsplatz oder in Phasen intensiven Lernens treten Augenbrennen, fortschreitende Kurzsichtigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und schnelle Ermüdung auf. Gleiches gilt für Freizeitaktivitäten, die für die Augen ständigen Nahstress bedeuten, wie z. B. Fernsehen, Computer, Lesen oder Handarbeit.

Schulische Lernprobleme wie Lese-/Rechtschreibschwäche, Legasthenie oder Verhaltensauffälligkeiten wie z. B. Unruhe, Aggressivität, Weinerlichkeit können genauso visuelle Ursachen haben, wie sportliche Leistungsstörungen, z. B. verminderte Reaktionsfähigkeit, Ungeschicklichkeiten in Ballsportarten, Schwierigkeiten bei der Automation von Bewegungsabläufen oder Leistungsstillstand trotz intensiver Trainingsbemühungen.

Es macht wenig Sinn, in den vorgeschriebenen Computerarbeitspausen andere Nahstress-Aufgaben zu erledigen - als "Entspannung" in der Freizeit zu lesen - den Sportler oder das übende Kind immer wieder mit denselben Aufgaben zu konfrontieren - Frust statt Lust ist die Folge. In vielen Fällen muss die Gesundheit der Augen von einem Augenarzt oder spezialisierten Augenoptiker überprüft werden.

Eine altersgerechte Blicksteuerung ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches schulisches Lernen, insbesondere für den Schriftspracherwerb. Nur ein gezieltes Training dieser Wahrnehmungsfunktionen bietet die Voraussetzungen zur Leistungsverbesserung.

Verhaltensorientierte Sehübungen und Leseprogramme
Das Sehen ist ein komplexer und komplizierter Vorgang, über den man nicht einfach von Geburt an verfügt, sondern den man in einzelnen Schritten von Entwicklungsstufe zu Entwicklungsstufe bis zum siebten Lebensjahr erlernt.

Die meisten visuellen Probleme haben ihre Ursache in einer unzureichenden Koordinationsfähigkeit beider Augen. So gut die Einzelaugen für sich auch funktionieren – wenn sie kein gutes Team bilden, lassen visuelle Wahrnehmungsstörungen nicht lange auf sich warten. Dazu kommt, dass das Lesenlernen in einem Alter beginnt, indem die Sehfähigkeit noch nicht voll ausgebildet ist. Defizite in der Sehentwicklung können deshalb in sehr kurzer Zeit massive Lese-Lernprobleme erzeugen und dabei Stress-Symptome verstärken. Aber Fehlentwicklungen lassen sich durch gezieltes Training in jedem Alter beeinflussen und teilweise beheben, indem man die Entwicklungsstufen noch einmal durchläuft.

Verhaltensorientiertes Sehtraining ist eine aktive Möglichkeit, die Augen fit für den visuellen Alltag zu machen (in Schule, Beruf und Freizeit).