Vom Sprechen zum Lesen und Schreiben

Schon Babys können sich erstaunlich lange konzentrieren. Es ist faszinierend, mit welcher Ausdauer sie nach Rassel, Ringen oder anderen Spielsachen greifen, die an Bett oder Kinderwagen hängen. Wie oft sie sie festhalten, loslassen, wieder danach greifen und diesen Vorgang wieder und wieder ausführen.
Diese Art der Konzentrationsübungen ist eine ganz entscheidende Voraussetzung für das weitere Lernen, egal ob es um's Sprechen, Lesen, Schreiben oder um all die anderen Kompetenzen und Fertigkeiten geht, die ein Mensch eben braucht.

Auf diese frühen Konzentrationsübungen können die Kinder dann später im Kindergarten oder in der Schule aufbauen. Kinder gelingt es mit Leichtigkeit sich in ein Spiel so zu vertiefen, dass sie die Welt um sich herum vergessen.

Ebenso geschieht auch das Gegenteil, etwa wenn Schulkinder viel zu lange über ihren Hausaufgaben brüten, ohne einen Schritt weiter zu kommen. Sie durch Kritzeln Zeichnen, Träumen nach anderen Ablenkungen suchen. Möglich, dass ihnen einfach nur die Motivation fehlt. Denn Konzentration und Motivation sind eng miteinander verbunden. Wir haben alle schon erlebt, für alles, was uns Menschen in irgendeiner Form begeistert, scheint unser Konzentrationsreservoir beinahe unerschöpflich. Bei anderen Tätigkeiten hingegen lässt die Konzentrationsbereitschaft wiederum schnell nach. Doch leider ist auch für unangenehme Aufgaben die Konzentration unerlässlich. Und die lässt sich glücklicherweise trainieren:
Durch Konzentrations- und Gedächtnisübungen auch durch eine angenehme Atmosphäre, in der Konzentration möglich ist/wird. Etwa, wenn Eltern, Erzieher und Lehrer in einer ruhigen Umgebung vorlesen, in der Kinder dann - ganz konzentriert - in die jeweilige Geschichte eintauchen können.

Alle Kinder verarbeiten ständig Gehörtes. Im Hinblick auf die Schule müssen sie lernen, das Gehörte auch zu verstehen und zu interpretieren. (Diese Fähigkeit stellt nicht umsonst ein wichtiges Kriterium für Schulreife dar.) Und das ist bei der Menge, der uns umgebenden Informationsflut, oft gar nicht so einfach.

Anfangs geht es „nur“ darum, sich Gegenstände aus der direkten Umwelt über die jeweils gehörten Begriffe erschließen. Später können Kinder zunehmend einfachen Geschichten und Gesprächen folgen und sich insbesondere wichtige Details oder Höhepunkte merken.

Bei Schuleintritt sollte ein Kind in der Lage sein, selbst Geschichten zu erzählen sowie Vorgänge und Erlebnisse zunehmend chronologisch zu beschreiben.

Dass diese Herausforderung gar nicht so einfach ist, erleben wir Erwachsene ständig, denn jeder hat schon am eigenen Leib erfahren müssen, wie leicht es ist, beim „Zuhören“ wegzuhören.
Wie eng Hören, Sprechen und Lesen miteinander verbunden sind, macht der Begriff „Phonologische Bewusstheit“ deutlich. Sprache setzt sich aus einzelnen Lauten, den Phonemen zusammen.
Experten, wie Linguisten oder Logopäden unterscheiden zwischen der  phonologischen Bewusstheit im weiteren und im engeren Sinn.

Die Grundlagen für phonologische Bewusstheit werden im weiteren Sinne dann gelegt, wenn Kinder - etwa durch Klatschen - Lernen, Silben erkennen und sich Reime merken können.

Bei der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne geht es um die Wahrnehmung von Details in der Sprache. Jetzt müssen Anlaute erkannt, aus Lauten ein Wort gebildet oder ein Wort in seine Lautbestandteile zerlegt werden. Später in der Schule folgt dann die Erfassung bzw. das Heraushören von Mittel- und Endlauten.

Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne wird in der Grundschule konsequent geübt, wenn es um das Lesen- und Schreiben lernen geht; aber auch schon Vorschulkinder können in den Wörtern einzelne Laute erkennen. Wir üben dies zum Beispiel in Sprachspielen oder in den jeweiligen Vorschulprojekten zu diesem Themenbereich.